Tagebuch des Wachtmeister Becker F.P.Nr. 39054
(Frankreich 1940)


Wir reiten durch Frankreich.

Stunde um Stunde. Durch welliges Land. Grüne Hecken teilen die Flur zu großen Netzen, dazwischen erstreut Gehöfte und kleines Gehölz-Stunde um Stunde vorbei an langen Flüchtlingsströmen, seltsam groteske Bilder: alte Bauern oder Kinder neben den großen Belgierhengsten, die auf den zweirädrigen Mammutfahrzeugen fast Haus und Hof mitschleppen, zwischen Stühlen und Bettzeug Frauen und Kinder. Zwischen diesen Gefährten, an die oft noch ein Auto angehängt ist, schieben Frauen umringt von 3 und mehr Kindern Schiebkarren, auf denen mit Bindfaden Flaschen und Bettzeug, Kleider und oft manch Unnötiges aufgebunden ist.

Zur Seite junge und alte Männer, eine Decke um den Körper geschlungen und ein Bündel am Stock, andre Fahrräder bis zum Letzten bepackt, schiebend oder wenn es geht auch fahrend, Menschen, oft blond und groß, alle schon voll Vertrauen zu den deutschen Soldaten, hungrig und voll Sorge, voll Sorge um ihre Söhne und Männer, die Soldat wurden, voll Sorge um ihr Haus, das vielleicht zerstört oder ausgeplündert irgendwo in Flandern oder Belgien steht.

Wir reiten dran vorbei, lassen die Gesichter vorbeigehen, antworten auf einen Zuruf, greifen nach einem Stück Brot, um es hungernden Kindern zu geben, lassen uns streicheln von dankbarem Aufleuchten ernster Kinderaugen - reiten weiter in den Abend in die Nacht hinein. der Zauber fremden Landes überfällt unsre müden Körper und wie im Traum erleben wir die hellen Sommernächte.

Wir meinen, zum ersten mal so schönen Duft von Wiesenhecken, so traumschönen Vogellaut bemerkt zu haben, bis wir schließlich an einem toten Dorf vorbei an einer Hecke oder einem Obstgarten halt machen, die Pferde versorgen, die Zelte aufschlagen und in den Schlaf sinken ohne zu merken, wo die eine Wirklichkeit die andre des Schlafes und des Traumes begrenzt.

Die aufgehende Sonne aber sieht uns wieder auf der Straße. Unbarmherzig brennt eine schon südliche Sonne auf Mann und Pferd, weißer Kalkstaub überzieht alles mit einem feinen Grau und beißend frisst er sich in die trockene Lippe und die schweißnasse Haut. Das Auge schmerzt vor der Sonnenglut, findet schon bald keinen Halt mehr an den fortgeworfenen Uniformen, den zerfetzten feindlichen Fahrzeugen, den Toten, die hier und da noch liegen, es läuft vielleicht noch einmal neugierig - erstaunt über die ebenholzschwarzen Gesichter der fremden Soldaten die neben Schöpfen ihrer nordfranzösischen Kameraden wie ein unheimlich exotischer Spuk auftauchen, aber es ist müde und manchem fällt es zu und erst der Ruf eines Korporal reißt den Mann den Mann aus der dumpfen Fessel der Übermüdung heraus.

In Staub gehüllt windet sich das Band der Kolonne vorwärts, noch Stunden müssen vergehen ehe das Ziel erreicht wird. Mitternacht wird es wieder werden, wenn der Übergang nicht klappt, weil dort die Marschsäulen zusammenstoßen.

Es geht durch Frankreich. mit der ersten Division ziehen wir durch Paris, Nacht wird es, ehe wir das Zentrum erreichen. In der Mondhelle sieht der Landser Pariser Eleganz, Pariser Mädel, Pariser Lokale. Wir lassen am Arc de Triomph die zuckenden Flammen des unbekannten Soldaten "über unsre Uniformen huschen, ziehen am Eifelturm vorbei. Das ruhige Beschauen, das Erleben der großen Stadt bleibt den andern, den motorisierten Einheiten der Etappe, denen, die dann am Abend herrisch hupend wieder einmal unsre Pferde an die Straßenseite hetzen, weil sie Angst haben, nicht vor Dunkelheit ihr Ziel zu erreichen, das doch 10 - 20 Km hinter unserm liegt.

Aber wir marschieren still, gehorsam, opferbereit, gestärkt durch die ruhige Geduld der lebendigen Kreatur, die uns Kamerad und Freund geworden. Wir marschieren, wir Mun-Kolonnen und kein Zuruf: Sorgen Sie dafür, dass ihr Sauhaufen rechts ran fährt! nimmt uns unsern Stolz, denn wir wissen, was wir getan haben. Nichts Besonderes gewiss, aber doch unsre Pflicht. Aber bekommen manchen Stoß, der uns zum Denken veranlasst und es kommen uns da mancherlei und seltsame Gedanken: Vorgesetzte, Befehle, falsch, richtig, Menschen, Sitten, eigene, fremde, Heimat und Fremde. Nun sind wir schon 1000 km marschiert in knapp 6 Wochen, durch ganz Frankreich. Und kein Mensch tut uns was, es sei denn das Ungeziefer, Fliegen, Mücken, Rittmeister, Hauptleute und anderes Gemüse.



Und dann eine neue Eintragung:

Es war eine dieser Sommernächte, hell und voll verwandelnder Zauberkraft. Der Körper müde vom langen Reiten, doch der Geist hellwach in diesem seltsamen Dämmerzustand zwischen Schlaf und Wachsein, da stellte sich ungerufen, doch wohl schon längst im Unterbewussten vorbereitet und gestellt, die Frage nach dem "wirklich Wirklichem in dieser erstaunlichen Welt" ein.

Welche Wirklichkeit gilt? Die dieser Sommernächte mit dem friedlich grasenden Vieh, den stillen Dörfern, deren zerschossene Giebel das Mondlicht die harte Fremdheit nimmt, die webende Stille der Dunkelheit, die Majestät des großen Himmels, die die Menschen den hohen Herrn ahnen heißt, ist das wirklich, oder das, was der Tag uns gestern zeigte?

Die plötzliche Kühle, die die Nähe des Tages ankündigt, hatte uns auf dem Bock oder im Sattel endgültig den Sieg über die Müdigkeit der Nacht gegeben. Dankbar, so dankbar wie wohl bisher nie, hatten wir die Sonne begrüßt, die uns doch wieder so viel Grausiges zeigte oder ahnen ließ. Warum lagen dort vor jenem Dorf die großen Flüchtlingswagen zerschossen im Graben, die Pferde aufgedunsen, die Wäsche zerstreut. Was war an jener Straßenkreuzung geschehen, wo auf der einen Straßenseite Flüchtlingsautos standen mit Spuren von MG-Geschossen und auf der andern unversehrt feindliche Kraftwagen, aber 4 oder 5 erwachsene Zivilisten, Frauen und Männer, neben und unter ihrem Wagen, wohin sie sich in noch sichtbarer Angst geflüchtet, ermordet lagen. War es ein Fliegerangriff? Doch warum blieb der Militärwagen verschont? Der Grund für die zerschossenen Häuser und die toten Menschen dabei war leicht zu finden, hatten wir doch gleich, auch ohne das zerschlagene Geschütz im Graben, die feindliche Feuerstellung im Klee erkannt. Aber kann diese unbegreifliche Vernichtung menschlichen Fleißes, von engsten Gemeinschaften wirklich sein?

War das fassbar wirklich, das Bild der furchtbar zersplitterten Stadt, diese immer wieder neue Form schwelender brennender Trümmer oder war das nur eine Ausgeburt überspannter Phantasie, die auf irgendeiner Leinwand erscheint? Oder gar das nächtliche Feuerwerk, war das wirklich? Zur bekannten Zeit war wieder der feindliche Flieger erschienen, doch diesmal genau über uns.

Ob sie uns wirklich meinten, jedenfalls ließen sie eine Reihe von Fallschirmleuchtkugeln über uns los und die Nacht war jedes mal 10 Minuten lang so unerhört hell, dass wir alle meinten jetzt muss es doch knallen, er muss uns doch gesehen haben. Doch sei es, dass sie zu hoch waren oder wir durch die Böschung rechts gut getarnt waren, es blieb bei der Beleuchtung. Und dies gerade, dass es dabei blieb, verstärkte die "Wirklichkeitslosigkeit" dieser Nacht.

Dieser Krieg scheint ebenso wenig wirklich zu sein, wie diese Sommernacht, .selbst die Kreuze mit dem deutschen Stahlhelm drauf, die uns doch sehr anrühren, haben noch keine Wirklichkeit mehr für uns. Ja selbst das ganze Zuhause, das jetzt soweit, räumlich 2000 km und zeitlich, es ist ja gar nicht mehr wahr, uns entrückt, hat keine Realität mehr. Es sei denn, es handelt sich um Dinge – Realitäten, die man nicht anfassen kann und trotzdem wirklich sind.



Dann folgen viele Blätter ohne eine Eintragung.

Als aber die Kolonne, in Lindenhof Krs. Demmin einmal aufgestellt in St. Loubez bei Bordeaux Quartier genommen, gingen nicht nur Gedanken der Männer - meist 40 Jahre und älter - zurück in den Kreis Demmin, wo nun die Frauen allein mit der Sommerarbeit fertig werden mussten, auch der junge Pastor dachte viel an seine Gemeinde in Altenhagen und er hoffte, dort bald wieder amtieren zu können. Was Wunder, dass er sich neben dem Studium dieser südlichen fremden Landschaft auch theologisch beschäftigte.

Lukas.

Wie der Eingang selbst es sagt, eine spätere Sammlung von Logien

Kap. I ganz sicher: theologisch-missionarischer Einleitungsversuch.
Kap. II stark von frühen Legenden beeinflusst.
Kap. III
Hiermit beginnt der Kreis von logia, der anscheinend von frühster Zeit an im Zusammenhang mit dem Urbekenntnis Christus weitergegeben und schriftlich niedergelegt wurde. Die Stammbaumtheorie zeigt jedoch schon theologische Frisur.
Kap. IV
1. Log. 14-15 in Kapernaum nun sein Wohnsitz.
2. Log. echt unproblematische Bezeichnung als Josephs Sohn (22)
3. Log.
31-37 Jesus als Dämonenaustreiber, also in keiner Weise ein "Besonderer", also von besonderen Dingen vorher auch noch nichts bekannt.
4. Log.
38-44 in dieser Fassung reichlich unwahrscheinlich. bedingte Theorie (Theol. ), dass die Dämonen den Christus erkennen und anerkennen? Wie kommt man dazu, Jesus um Hilfe bei der Schwiegermutter anzugehen? Erklärt 37 wirklich alles, oder ist 37 nur eine überbrückende Floskel? Die Parallelen wissen nichts von einer Bitte des Petrus (bei Math. sieht Jesus selbst die Kranke, bei Mark. erzählt man ihm anscheinend beiläufig davon, das andre entwickelt sich dann zwangsläufig daraus. Dies Ereignis macht ihn auch erst in Kapernaum als heilmächtig bekannt. (die Dämonen nennen ihn Messias.
Kap. V
5. Log.
1-11 Der Fischfang das Mittel die beiden Brüderpaare an ihn und sein Werk zu binden. Das in log. 4 nichts Besonderes geschehen, beweist der Umstand, dass ein weiteres Wunder nötig war, um den Petrus von der "Besonderheit" Jesu zu überzeugen. (zunächst ist das allerdings noch eine stark abergläubische Ehrfurcht.
12-16 echter Erzählstil. Aussätziger, fraglos ein bes. Problem der Zeit, dazu prophetische Weissagungserfüllung!?
6. Log.
17-26 Jesus lehrt gegen den Glaubenskodex seiner Zeit und seiner Umwelt. Körperliches Leid und Sünde steht nicht in ursächlichem Zusammenhang (Log. 7), aber beides hat die selbe Wurzel, die in der Gottfrene liegt. Dies Logion hat ein bes. gr. Datum der Echtheit, so etwas ist nicht zu erfinden, zumal gerade V. 17 in Bezug auf die Herkunft der Zuschauer Unrecht haben wird, da es wohl sehr fraglich ist, ob Leute aus Jerusalem und gar Theologen sich gerade hierbei in Kapernaum aufhielten, (doch nicht unmöglich K. Handelsstadt.
27-32 Hier das erste harte und klare Herrenwort, das Freund und Feind nicht mehr vergaß, weil darum Leben und Tod, Hass und Liebe wachsen muss, Gottesgehorsam und Gottestrotz.
33-39 alle Religionsübung alter Art ist unfähig, dem Vater Jesu Christi gerecht zu werden, dem Sohn Raum zu geben in ihren Kultformen. Wer in dieser alten Art drinsteckt, kann Christus nicht verstehen, wer vom alten Wein trinkt, will keinen neuen Wein, denn der alte ist milder (V. 39)
Kap. VI
1-11 In ihrem inneren Sinn zusammengehörig. alle menschliche Religiosität wird ad absurdum geführt, da der Mensch selbst das heiligste Gesetz, sobald er es in Worte fasst zu einer Größe macht, die er gebraucht wie es seinem Selbstbewusstsein frommt und passt. Er zerrt es aus Gottes Hand heraus und gebraucht es als Münze, um sich von Gott los zukaufen. Oder anders gesagt, man benutzt Gottes Siegel unter sein Gesetz als Freibrief für seine eigenen Räubereien.
12-16 dazu Johannes ev.
17-19 Medizin des Heilens: Berühren.
20 Ethik des NT: Kindesgemäßes Tun derer, die Gott zum Vater haben. Seid barmherzig wie euer Vater barmherzig ist.
Kap. VII
1-10 Erstaunlich das Eintreten der Juden für den Römer. V. S Übertritt bzw. Hinwendung zum jüdischen Glauben scheint hier vorzuliegen, aus der religiösen Verfallserscheinung der Zeit verständlich. Doch eine ernstere und größere Persönlichkeit als der landesüblichen Juden er war (9)
11-17 Propheten können als Gottes Stellvertreter und Handwerker solches tun. Ein Fall, indem das Zeugnis in der Öffentlichkeit geschah, also in die Reihe der Joh. semata
18-23 Das Tun Jesu ist Machterweisung der in die Welt gekommenen Gottesherrschaft entos hymin, also doch mehr als das übliche Heil- und Wunderwesen des Orients. Gottes Mächtigkeit wir den Sehenden in der geistlich-weltlichen Form sichtbar 22 dazu gehört auch der Anstoß. skandalon.
24-35 Jesus steht über aller Sensationslüsternheit, er ist mit bloß interessierten Augen nicht in seiner Wirklichkeit sichtbar, aber an ihm wird klar, dass die Welt das Gleiße schwarz und das Schwarze weiß sehen will, weil sie nicht hören will, sondern recht haben will.



Psychologisches

Nimm das Gros der Menschen als Kinder und behandle sie so, so wirst du ihnen am meisten gerecht und bewahrst dich vor der Menschenverachtung. Die meisten Menschen sich selbst gegenüber unkritische Wesen, das aber ist kindertümlich: handeln und empfinden ohne' ohne Spekulation. Das bedeutet zwar nicht, dass sie ohne Hemmungen sind, doch sind das die Hemmungen wie sie auch ein Kind hat, ob sich etwas schickt oder nicht, ob es Strafe oder Spott hervorruft und was dergleichen sonst ist, ob es zweckmäßig ist, Eitelkeit und mancherlei Sucht erfüllt. Dass es soviel eitle Menschen gibt, soviel beleidigte Wesen, soviel Widerspruch leistende Naturen, spricht dafür. Auch die Intriganten und Wichtigtuer gehören hierher. Es ist überhaupt so, dass die Mehrheit der Erwachsenen die Kinderschuhe nicht auszieht, im Guten wie im Bösen. das gilt besonders von dem Mann, da die natürliche Bestimmung die. Aus dem Kind muss der Mann noch einmal geboren werden in Not u. Gefahr, Arbeit und Kampf, in Überwindung und Sieg. Wunden u. Narben gehören zum Mann. Wer bei dem Gang aus der Kindheit ins Leben in sich seinen Halt findet, das Jagen nach Altagsgewinn verachtet, an den Menschen sich nicht untreu wird, der wird zum Mann, wissend um Himmlisches und Irdisches, um Not und Leid und rechter Freude. Ein solcher ist gläubig und weiß um den Herrn der Welt. , tut er es nicht oder spricht er dem Hohn, wird er zum Menschentier, doch kann kein Mensch darin verharren.



Rückbetrachtung auf die Jugend

Er war 10 Jahre alt als er in die Stadt seiner väterlichen Familie kam. Es war ihm nicht sonderlich angenehm, dass er nun wie seine Geschwister für einige Zeit im besonderen Blickfeld seiner Verwandtschaft in seiner neuen Heimat stand. Etwas trotzig, doch ohne die Grenzen der Wohlerzogenheit zu verletzen. Das er ein artiger Junge sei, war ihm peinlich, interessant, ja von wesentlicher Bedeutung jedoch war ihm die Feststellung, dass er seines Vaters Art hätte. Das verhalf ihm zu einer inneren Bundesgenossenschaft gegen das mütterliche Element, dem er bisher ganz untergeben war, und gegen dessen Temperament er sich schon hin und wieder in wildem Zorn sein, wenn er ein Glas zerbrochen hatte ohne böse Absicht, zutiefst erschrocken und der Schuld bewusst durch Unachtsamkeit etwas Schönes und Gutes verloren zu haben. Er hatte seine Mutter herzlich lieb und war stolz auf sie, die unermüdlich schaffte, er ließ von den Tanten gern seinen Anzug bewundern, den sie geschneidert hatte. Und doch litt er unsagbar unter dem Spott der Kameraden, die seine Kleidung verhöhnten, deren Mängel er wohl kannte, doch der Mutter nur schüchtern einmal zeigte, doch bei ihrer raschen Art Ärger und Verdruss ihr bereitete, obwohl er sie nicht kränken wollte. Diese ihre rasche Art fürchtete er, bedrückte ihn, weil er sich von ihr nicht verstanden und überrumpelt fühlte.

Jetzt aber hatte er einen Bundesgenossen, den Vater, an dem er keine Gemütsbewegungen solcher Art kannte, der immer still, oft wohl bedrückt und von Sorgen gequält, aber nie unbeherrscht war. Das war das Eine, was ihm wichtig war an dieser Zurschaustellung; dass man ihn aber als Fremden erkannte, nahm ihn Wunder und brachte ihn zur Feststellung, dass jeder Stamm seinen Sprachrhythmus und Melodie hat und ließ ihn eifrig danach trachten das niederdeutsche Platt zu lernen. Mit Staunen lernte er aber auch Sachen kennen, die ihm fremd waren und denen er keinen Geschmack abgewinnen konnte.

Das grüne Wiesen auch in der Stadt und in einem Park zum Spielen gut sind, wusste er von dem Spielpark der Großstadt, aus der er kam; das das je nach dem Ermessen der Erwachsenen erlaubt und gut wie auch verboten und schlecht sein kann, lernte er als ihn beim schönsten Spiel eine derbe Polizistenfaust schüttelte und ihm Strafe schlimmster Art androhte. Unwillig und trotzig begehrte er sich zu befreien, um, als es aussichtslos, zu fragen, was er denn getan hätte. Dem biederen alten Stadtgendarmen blieb der Verstand fast stehen. Man hatte endlich einen von den Burschen erwischt, ihm mit dem Schlimmsten gedroht, aber anstelle trotziger Heulerei oder Bitten wagte dieses Persönchen nach dem Recht des andern zu fragen, um dann dem erstaunten Mann zu erzählen, er wäre aus der Großstadt gekommen, und da er wohl ahnte, dass er etwas Verbotenes getan haben musste, denn die Vettern und Kameraden waren ja mit einem Warnruf davon gelaufen und im nahen Gartenschuppen verschwunden ihm sagte dort in der Großstadt dürfte man auch auf dem Rasen spielen. Da er mit voller Ruhe und Unschuld, ohne zur nächsten Zuflucht kleiner Verbrecher, nämlich den Namen zu verschweigen, seinen Namen angab, sowie den seines Onkels, dessen Fleischergeschäft ganz in der Nähe war, ließ ihn der alte Hüter der Ordnung gehen.




Frankreich 1940

Ich sitze am Tisch in irgendeinem kl. Chateau unten in Südfrankreich. Nach langer, langer Zeit regnet es endlich etwas. Die drückende lähmende Schwere dieses südlichen Klimas weicht etwas. Die Untätigkeit unsrer Situation habe ich beschlossen durch Schreiben zu liquidieren. Doch was soll man schreiben, wo soll man anfangen? Es ist in diesen Wochen soviel an uns vorbeigerauscht, man hat selbst an sich so allerlei erlebt, dass noch keins von beiden recht dem Bewusstsein fassbar eigen geworden ist. Vielleicht aber gelingt es schon die Lage zu klären, wenn man vom Ich her das Geschehen aufrollt. Eine nicht egozentrische Betrachtung dürfte übrigens kaum möglich sein.
Das Ich in seiner jetzigen Situation.

Das Beispiel vom gefesselten Titanen oder zu kindlicher Arbeit gezwungenen ist unzeitgemäß und auch nicht zutreffend. Also sagen wir: man ist in der Situation eines Automotors, der unnötigerweise im 1. Gang laufen muss; der, obwohl er nur Geringes leistet, sich langsam aber sicher warm läuft, vielleicht sogar tot läuft. Es sind mit andern Worten 9/10 aller Funktionen, aller Tätigkeitsbereiche abgedrosselt, es so, als wenn ein Autowerk nur noch seine Nebenabteilung für Fahrräder betriebe Kurzum das Ich ist auf Leelauf geschaltet. Und dieses Ich ist ein daraufhin gedrilltes und gezüchtetes Ich, nicht etwa das eines Naturburschen und Wildlings aus Asien oder Afrika. Die Lage ist deshalb auch nicht wesentlich durch äußere Umstände bestimmt, wenn es auch angenehm empfunden wird, dass man am gedeckten Tisch wieder einmal essen kann und in einem Bett Schlafen darf, das Wesentliche ist der Leerlauf!








Zu den Lücken in den Aufzeichnungen (Kommentar von Gerhard Becker)

Auch nach dem Lukasevangelium und der Psychlogie-Betrachtung und ebenso nach dieser und dem Rückblick auf die Jugend sind reichlich leere Blätter im diesem Buch, es sollte also bei passender Gelegenheit an allen "Problemen" weitergearbeitet werden. Warum geschah es nicht? Ich weiß es nicht und frage mich, hing es damit zusammen, dass ich Leutnant geworden war und mich der Gemeinschaft der Offiziere nicht entziehen durfte, die nun dem Pastor ungehemmter begegnen konnten, mich auch gleich "ausnutzten" als sie einen Ausflug nach Spanien machen wollte indem sie mir das Kommando über die Einheit übergaben. Oder war es die junge Flamin mit ihrem Peter, die uns durch ihr akzentfreies Deutsch aufgefallen war und der wir alle den Hof machten, wobei ich mir als ledig die größten Chancen einräumte, falls sie sich von ihrem Mann, der nach England gegangen war, scheiden ließe. Oder war es harte Erkenntnis, dass es nun doch nicht bald eine Heimkehr geben würde in einem freien geeinten Europa, wie wir einig mit dem Apotheker des Ortes diskutierten angesichts dieses unsinnigen Krieges. Als wir dann wohl bald nach Weihnachten in die Normandie verlegt Verladeübungen auf Schiffe übten, war uns klar, es sollte nun England drankommen. Was sollten da "Exerzitien" im Blick auf den Pfarrdienst? Auch war ihm nun wichtig, so weit der Dienst es ihm erlaubte, von der Normandie etwas kennen zu lernen, besonders das herrlichen Rouen. Er vergaß darüber als er einem jungen Mädchen mit einer Stelzfußprothese begegnete und sie betroffen fragen wollte, ob wir schuldig wären an ihrem Leid, dass er eine Uniform trug, die ihr Angst einflößte.

Ich denke, ich habe in der Normandie nichts aufgeschrieben, doch füllten sich Skizzenblöcke mit Chateaus, Kirchen, Gehöften, Flusslandschaften, Portraits und Pferden.



Normandi Deutscher Ofen am Kamin angeschlossen
Chateau Chateau