Tagebuch 26. Juni - 3 Nov. 1941 (Vorbemerkung)

Als dann die England-Affäre abgeblasen werden musste und wir nach Ostpreußen und dann in den Suwlki-Zipfel verlegt worden waren, begann der Ltn. Becker FP 102007 ein Tagebuch, wie er abschießend bemerkte vom 26. Juni - 3 Nov. 1941. Es enthält viele Zeichnungen und wenige Worte, denn es war ihm klar geworden, dass es gut wäre der biblischen Mahnung nachzukommen: wer leben will und gute Tage sehen, der hüte seine Zunge (l. Petr. 3, 10a). Es könnte ja übel ausgehen für die ganze Familie, wenn man Kritisches drin fände bei seinen Sachen, etwa im Fall seines Todes, oder schwerer Verwundung, womit ja als möglich durchaus zu rechnen war, lagen die Ziele der Wegeerkundung doch immer schon jenseits der Front, sodass ihn einmal einer zurief: Halt! Herr Ltn. wir sind noch nicht soweit, und mich damit vor unfreiwilligen Heldentum bewahrte. Ungemütlich genug war es schon, dass unser Krad immer wieder einmal aus dem Wald heraus beschossen wurde und wir, Fahrer und Sozius (ich) uns kleinmachten.

Diesem aus 3 Heften zusammengesetzten Tagebuch fehlen 4 Blätter, geht man von der Nummerierung aus, die allerdings vorher vorgenommen wurde, wie es scheint. Was auf dem Blatt 2/3 stand, weiß ich nicht. Die Lücke im August September lässt sich durch Zeichnungen und Aquarelle füllen, die Zeichnung vom Litauischen Friedhof ist auf der Fahrt von der Front bei Wjasma nach Ostpreußen entstanden, wohin ich eine LKW-Kolonne führen musste. Als ich von Ostpreußen zur Truppe zurückgekommen war, waren die Wege nicht mehr sandig, sondern vom tagelangen Regenwetter so schlammig, dass man die Stiefel an den Schlaufen festhalten musste beim Gehen. Dann fiel Schnee und der Winter als alter Verbündeter der Russen rettete Moskau. Unsre Div. wurde bis auf ein Regiment in den Raum Besancon verlegt, wo sie zu einer Jägerdivision umgerüstet wurde. Ich wurde Adjutant beim Div. Nachschubführer.


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