Nicht von ungefähr wird in unserer Zeit das Thema der Passion immer wieder neu gestaltet. Und es ist ebenso kein Zufall, dass es gerade auch Pfarrer dazu drängt, mit künstlerischen Mitteln das Unsagbare zu verkündigen.

Mit dieser Reihe von dreizehn Linolschnitten, entstanden in einem norddeutschen Pfarramt, tritt Gerhard Becker erstmals vor eine größere Gemeinde. Beispielhaft, wie er die beteiligten Personen zeigt, meist nur als Kopfbilder, "an denen wir wie im Spiegel die Passion Jesu ablesen sol¬len" (S. 5): Judas, Kaiphas, Petrus, Pilatus, die rasende Menge (symbolisiert durch nur drei Männer).

Erschütternd die Bilder Christi: an der Geißelsäule als der geschundene Bruder und - wohl das stärkste Bild - "Es ist vollbracht". Wir danken es Becker, dass er die Passion nicht ins Zeitgenössische aktualisiert hat (W. Fries), um die Brücke zu uns zu schlagen; und doch sind wir selber gepackt und fragen uns durch nach dem, um den das Denken der Statisten der Passion kreist. Man mag sich fragen, warum der Stil der Bilder nicht immer einheitlich ist; aber dies soll den Wert des Bändchens nicht schmälern. Als geglückt muss man auch den Text bezeichnen, der jedem Bild zugeordnet ist; Bibelwort, eine geschickte "Kurzmeditation", Liedvers. Hans-Georg Thümmel hat hier mit viel Einfühlung gültige Worte gefunden.


Karl-Heinz Meißner, Evangelische Monatsschrift Heft 3 1960


2 / 9