Ausstellung der Arbeiten von Gerhard Becker

Zum 70. Geburtstag von Gerhard Becker waren in der Sakristei des Greifswalder Doms Holzplastiken, Handzeichnungen und Druckgrafiken zu besichtigen, die einen Überblick über das Schaffen dieses Mannes geben wollen. Die Austeilung soll bis Ende September stehen.

Gerhard Becker (geboren 22. September 1910) ist kein Berufskünstler. Er studierte Theologie und war Pfarrer in unserer Landeskirche. Zum Schnitzen kam er nach 1945, da gestaltete er mit einfachsten Mitteln Schachfiguren in Menschengestalt. 1948/49 berief ihn das Konsistorium auf die Pfarre Kagendorf. Zunächst hatte er gar keine Zeit, sich mit dem Schnitzen zu beschäftigen. Lediglich ein paar Kinderbildnisse entstanden, die der Bildschnitzer Uecker sah. Er ermunterte den Pfarrer zur weiteren bild¬nerischen Arbeit und brachte ihm die technischen Fertigkeiten bei. Die erste größere Arbeit war ein Kruzifix. Heute befinden sich vor allem in unserer Landeskirche Arbeiten von Gerhard Becker in verschiedenen Kirchen. Aber auch in der Bundesrepublik Deutschland haben Kirchen Arbeiten von ihm. Becker verstand seine Arbeit stets als eine spezifische Möglichkeit der Verkündigung, und das Echo der Betrachter gab ihm recht. Nur selten arbeitete er im Auftrag, meist entstanden die Werke aus innerem Drang. Ein Stück Brennholz regte ihn plötzlich zum Arbeiten an, da sah er eine Figur in der Form des Holzes oder in der Maserung, und diese Figur arbeitete er nun heraus. Picassos Wort "Ich suche nicht, ich finde", gilt auch für seine Arbeit. Diese Arbeit bewegte sich um ganz bestimmte Themenkreise. Es waren vor allem Abraham, Hiob und Maria und Josef, die ihn beschäftigten, Kreuzdarstellungen nahm er nur mit Bangen in Angriff, das schien ihm zu schwierig zu sein. Aber das Miteinander von Menschen, ihre Span¬nungen und ihre Lösungen, haben ihn in jeder Thematik beschäftigt. Beckers Werke sind unterschiedlich, manches erinnert in seiner Prägnanz durchaus an Barlach, anderes erscheint dagegen sehr viel schwächer. Die Druckgrafik beschäftigte Gerhard Becker über viele Jahre. Ein Linolschnittzyklus zur Passion veröffentlichte die Evangelische Verlagsanstalt 1952/53 als Buch, später folgten je ein Heft zu Weihnachten und Ostern. Dass dieser Pfarrer seine spezifische Gabe in den Dienst der Verkündigung stellte, sieht der Betrachter mit Dank.


Joachim Puttkammer; Die Kirche (Evangelische Wochenzeitung) vom 28.09.1980


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