Leiden als Hauptthema DDR-Pfarrer Gerhard Becker stellt in Beienrode aus

Beienrode. "Ich bemühe mich nicht um einen eigenen Stil. Ich will einfach verkündigen und hoffe, dass es ande¬ren Menschen etwas sagt", so formulierte Gerhard Becker, ein 77-jähriger Pfarrer im Ruhestand, sein künstle¬risches Anliegen. Der DDR-Geistliche - er kommt aus dem mecklenburgischen Anklam - stellt bis zum 12. August Holzplastiken und Linolschnitte im Haus der helfenden Hände aus. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 11.30 Uhr und von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Becker ist Autodidakt, Naturtalent. Schon in der Schule fiel seine künstlerische Begabung auf, aber viel Zeit hatte er in der Folge nicht, sein Zeichentalent zu pflegen. Erst in der Gefangenschaft wurde er wieder tätig, schnitzte aus einem Stück Brennholz einen Hirten. Menschliches Leiden blieb sein Hauptthema, biblische Gestalten wuchsen unter des Pfarrers Schnitzmesser. Abraham, Hiob, die Mutter Maria - die Passion der Menschheit, herausgearbeitet aus einem alten Zaunpfahl, aus dem Stamm eines gefällten Apfelbaumes oder auch aus einem Stück Brennholz. Der zierliche Künstler, von Krankheit geschwächt, hatte nicht immer die Kraft, seine Figuren aus dem Holz her¬auszuarbeiten. So entstand eine Reihe von Linolschnitten. Die Themen stammen aus der Bibel. Die Ausstellung in Beienrode zeigt Ungewöhnliches, wirkt durch die schlich¬te Darstellung der Exponate.

Zeitungsausschnitt 09.08.1988


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