"Ausdrucksweise geht unter die Haut"

Bildhauerausstellung Meditationen zur Bibel

Sudweyhe. Keineswegs nur Leid möchte Pfarrer Gerhard Becker mit seinen "Meditationen zur Bibel" darstellen. Unter diesem Thema steht eine Ausstellung mit Plastiken und Linoldrucken, die am Pfingstwochenende in der Wassermühle eröffnet wurde. Wenngleich Beckers Werke, die zum Beispiel "Maria unterm Kreuz" tituliert sind, nicht selten Men-schen in Not und Bedrängnis zeigen, so möchte der gebürtige Stettiner gleichzeitig die "Geborgenheit in Gott" zum Ausdruck bringen, wie er sagt. Die ersten Arbeiten, die der Pfarrer fertigte, entstanden, als er während der Kriegsge-fangenschaft selbst Entbehrungen und Heimweh ausgesetzt war und begann, Schachfiguren zu schnitzen. Als er in Anklam eine Pfarrstelle antrat, nahm er bei einem befreundeten Bildhauer einige Lehrgänge, doch bezeichnet sich Becker, was seine künstlerische Ausbildung angeht, "eher als Autodidakt". Dabei lassen es seine Schnitzarbeiten und Linoldrucke nicht an Ausdruck fehlen, wie die Besucher der Vernissage meinten. "Die Arbeiten gehen unter die Haut", fasste eine Betrachterin zusammen. Becker, der seit zwei Jahren in Leeste lebt, ist um eine eher sparsame, zurückhal-tende Ausdrucksweise bemüht, plakative Formen sind nicht seine Art. Der mittlerweile 82jährige Geistliche betätigt sich noch immer künstlerisch. Mit seine aktuellen Arbeiten beschreitet er sogar neue Wege und fertigt Plastiken aus Ton. In der Vergangenheit zählten auch Auftragsarbeiten für Kirchengemeinden in der ehemaligen DDR zu Beckers Betätigungsfeld. "Die Betrachtung seiner Arbeiten bedeutet auch eine Beschäftigung mit sich selbst", kommentierte der Leester Pastor Holger Tietz die Arbeiten seines Kollegen.


Zeitungsausschnitt, 1992


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