Handreichung für den Kindergottesdienst

am 6. n. Trin. - 9. Juli.1961 - Apg. 8,26-39
„Ich bin getauft auf deinen Namen.“

Lieder: Ich bin getauft auf deinen Namen ... | Such wer da will ein ander Ziel ...

Spruch: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein (Jes. 43,1)

Zur Auslegung:

Auch von der Apostelgeschichte gilt, was ihr Verfasser, der Arzt Lukas, am Anfang des Evangelium sagt: Er will darin nach reiflicher Prüfung Berichte der Augenzeugen weitergeben (Luk. 1,1f.) Unser Abschnitt gehört zu einem Bericht, der von dem erzählt was Philippus, der Evangelist - nicht einer Zwölf – erlebt hat (Apg. 8,5-40). Doch ist Philippus selbst nicht Subjekt, Täter oder Held in diesem Bericht, das wird in unserem Abschnitt besonders deutlich. Mit großer Freude und Lob gegen Gott wird darüber berichtet was der auferstandene Herr selbst durch seinen Heiligen Geist tat (V. 26,28,39). Die Verfolgung in Jerusalem, die mit der Steinigung des Stephanus begann, hat sich nur auf die "Griechen" beschränkt, auf den Kreis um die Almosenpfleger (Apg. 6,1-7). Die Gemeinde der 12, als treue Beachter des Gesetzes und treue Besucher des Tempels blieben zunächst unangefochten in Jerusalem. Die "Griechen" aber, Auslandsjuden mit ihrem jetzt als Christen radikal anderen Verhältnis zu Gesetz und Tempel (Apg. 7,47ff) unter ihnen Philippus hatten fliehen müssen.

V.26 Nun aber zeigt es sich deutlich, dass für den Christen noch sein Unglück sein Glück ist, wie es im Choral heißt. Gott weiß wohl aus den Niederlagen und dem Leid seiner Jünger noch Siege zu machen für sein Reich. Der Evangelist Philippus ist nicht aus seinem Dienst entlassen. Der Auferstandene gibt gerade dem Flüchtling einen neuen Befehl. Ein Befehl, der zum Widerspruch reizt, was soll dabei herauskommen, auf einsamer Straße zu einer zerfallenen Stadt zu wandern, das "wüst" lässt sich auf beides, Straße und Stadt beziehen. Aber er gehorcht. Und siehe ...

V.27 Die zweite Person der Geschichte wird vorgestellt. Kein Name, doch das Volkstum, einer von den Enden der Erde, von den Zäunen und Hecken (Luk. 14,23), also einer, der eigentlich noch lange nicht dran war, zum Reiche Gottes gerufen zu werden. Dazu ein Eunuch und als solcher nicht kultfähig in jüdischer Sicht. Damit ist aber auch seine Zugehörigkeit zur höchsten Beamtenschicht in den orientalischen Königshöfen bezeichnet, ein Mann von großem Einfluss, der das volle Vertrauen seiner Königin hatte, auch hier ist der Name verschwiegen. Kandaze ist wie Pharao die Bezeichnung der Herrscherin in Äthiopien. Bisher ist alles in diesem Satze nur ergänzende Bezeichnung des Subjektes, die wesentliche Aussage kommt erst: der war gekommen um anzubeten. Das also war das vor Gott Wichtige an diesem fremden mächtigen Mann. Er hatte Gott lieb.

V.28 Jetzt ist er auf dem Heimweg und was er mitnimmt ist ein Teil der Bibel. Er las den Propheten Jesaja und zwar im Text der Septuaginta, verstand also griechisch zu lesen. Damit wird noch dies zu seiner Charakterisierung ergänzt: Er war ein gebildeter Mann. Wenn auch die griechische Sprache als Umgangs- und Handelssprache im weiten römischen Reich verstanden wurde, sie lesen zu können, blieb doch den Gebildeten vorbehalten.

V.29-31 Bei dem was jetzt geschah regierte nun keineswegs der Zufall. Der Geist sprach zu Philippus und das in dem Augenblick als der fremde Reisende vom Lamm las, das zur Schlachtung geführt wird: "Gehe hinzu und halte dich ...". Das laut gelesen wurde war allgemein üblich. Und derselbe Geist, Gottes Heiliger Geist lenkte auch schon den Sinn des Kämmerers. Auf die Frage: "Verstehst du auch was du liest-" hätte ja auch so ein Mann zu einem staubigen Fußgänger anders antworten können. Er aber weiß von solch dummem Stolz nichts mehr, er möchte Gott verstehen und ihm ist jeder recht, der ihm dabei helfen will.

V.32-35 Die Frage V34 liegt nahe und ist immer wieder gestellt worden. Wir aber kennen die Antwort. Von Jesus Christus ist die Rede und von ihm berichtet Philippus und wir können es annehmen, dass er es so tat wie es etwa im Lukasevangelium geschieht. Darüber hinaus wird er von Pfingsten erzählt haben und von dem was unlängst geschah (Stephanus).

V.36-39 Dass einer, der so lange schon ernstlich nach Gott fragte, nun von dem Verlangen erfüllt wurde jetzt zu Christus zu gehören, ist verständlich.

V.37 Diese ist nicht in allen Handschriften bezeugt, doch würde ich es miterzählen.

V.38 Er ließ den Wagen halten. Die Kommentare weisen darauf hin, dass hier von der ersten Einzeltaufe berichtet wird. Gewiss hatte ein Eunuch keine Familie, er reiste aber keinesfalls allein, sondern eine ansehnliche Zahl von Dienern und Soldaten mag ihn begleitet haben. Zumindest einige davon werden zu seiner ständigen Umgebung gehört haben und ihm nicht gleichgültig gewesen sein, aber er ließ sich allein taufen. Gut, dass noch einmal deutlich wird, wer hier handelte. Möglicherweise hat die Äthiopische Kirche hier ihren Anfang. Die Kandaze wird der Reise ihre "Kämmerers" nicht uninteressiert gegenüber gestanden haben. Und wer selbst so beschenkt heimkehrte, wird weiter schenken müssen.

Darbietung: 3 Teile, etwa: Gott führt zwei Menschen zusammen. | Eine Bibelstunde im Reisewagen. | Eine Taufe am Wege.

Da nähert sich dem Wagen ein Wanderer, ein seltenes Ereignis auf dieser einsamen Straße. Bestaubt und im Verhältnis zu dem Afrikaner ärmlich gekleidet, macht er doch einen zuversichtlichen, ja fröhlichen Eindruck. Wir erfahren auch seinen Namen, er heißt Philippus und ist ein Jude, jedoch in griechischem Lande aufgewachsen. Philippus war in Jerusalem gewesen als der Heilige Geist zu Pfingsten viele Menschen zu Jüngern Christi gemacht hatte. Dann aber hatte er aus Jerusalem fliehen müssen, weil er zu Stephanus gehört hatte, von dem ihr ja wisst, dass ihn die Juden verurteilt und gesteinigt hatten. Er war damals nach Norden gegangen zu den Samaritern und hatte ihnen von Jesus erzählt. Viele waren da gekommen und wollten immer mehr hören von dem Herrn und Heiland aller Menschen und wollten ihm gehören und getauft werden. Noch längst nicht hatte er alle zufrieden gestellt, da war der Engel des Herrn zu ihm gekommen und hatte ihm befohlen: Geh gen Süden, auf die Straße, die von Jerusalem hinab nach Gaza geht, das da wüstes Land ist. Das war ein seltsamer Befehl, er hatte aber gehorcht und jetzt war er neben diesem Reisewagen, denn der Heilige Geist hatte ihm befohlen: Gehe hinzu und halte dich zu diesem Wagen. Da hörte er den frommen Mann aus Äthiopien griechisch lesen und er erkannte, dass dieser in der Bibel las.

Liebe Kinder! Wie Gott das hat geschehen lassen, dass zum ersten mal ein Mann aus Afrika getauft wurde, das wollen wir heute hören.
Auf einem prächtigen Reisewagen sehen wir einen Mann aus Afrika auf der Straße von Jerusalem nach Gaza südwärts fahren. Er ist auf der Rückreise in seine Heimat Äthiopien. An seiner Kleidung, wahrscheinlich auch an seinen Begleitern können wir merken, dass er ein hohes Amt inne hat; er war in der Tat der Finanzminister der Kandaze, d.h. der Königin von Äthiopien. Trotz allem scheint er nicht sehr fröhlich zu sein. Es ist, als ob er einen großen Kummer hätte. Jetzt liest er laut, wie es damals Sitte war, in einer Buchrolle und zwar griechisch. In dieser Sprache verständigte man sich in der damals bekannten Welt und die Bibel (das alte Testament) war auch schon für die Vielen, die nicht hebräisch konnten, in diese Sprache übersetzt worden.

Da lief Philippus hinzu und fragte ihn: Verstehst du auch was du liest- Und denkt euch, der Fremde war nicht stolz und abweisend, sondern weil er Gott lieb hatte und immer mehr von ihm wissen wollte und zu gern auch zu seinem Volk gehört hätte, bat er Philippus, dass dieser sich zu ihm auf den Wagen setzen sollte - und Philippus tat es. Die Stelle beim Propheten Jesaja aber, die sie lesen, heißt: "Er ist wie ein Schaf zur Schlachtung geführt und wie ein Lamm ... (Js. 53,7ff)". Das konnte der afrikanische Mann nicht verstehen, er fragte: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet solches, von sich selbst oder von jemand anderem?

Nun wir wissen wer gemeint ist. Es ist der, von dem auch der Prophet Jesaja sagt: Uns ist ein Kind geboren. Es ist unser Heiland Jesus Christus. Philippus konnte ihm das auch sagen und er tat es mit großer Freude. Ich könnt euch denken, wie er nun von dem Propheten erzählte, die vom Heiland schon geredet hatten und dann anfing mit der Geburt in Bethlehem von Jesus zu erzählen, von seinen Worten, von seinen Taten, von seiner großen Liebe zu uns Menschen, die ihn schließlich ans Kreuz brachte. Schließlich erzählte er ihm von der Auferstehung zu Ostern und von all dem, was Philippus dann schon selbst miterlebt hatte, von Pfingsten und wie der Herr Christus nun wirklich bei seinem Sohn ist. Und dass er wiederkommen wird und dass er will, dass vorher alle Menschen zu ihm gerufen werden, denn er ist für alle gestorben und will, alle zu seinem himmlischen Vater bringen. Als der Mann aus Afrika das hörte und dabei dessen immer gewisser wurde, dass auch Menschen wie er zu Gottes Volk gehören dürfen, auch er ein Kind Gottes sein soll, da fragte er den Philippus: "Siehe da ist Wasser, was hinderts, dass ich mich taufen lasse?"
V.36 Philippus sprach: "Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so mag es geschehen." Er aber antwortet: "Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist." Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen ins Wasser und Philippus taufte ihn. Wie mag der Kämmerer in diesem Augenblick Gott gedankt haben! Sein weiter Weg nach Jerusalem war nicht vergebens gewesen. All sein Sehnen war erfüllt, ja er hatte mehr empfangen als er gehofft hatte. Er wollte nur anbeten, mitfeiern im Tempel und durfte als Fremder doch nicht richtig dabei sein, jetzt aber hatte ihn Jesus Christus zu Gott gebracht und er gehörte zu seinem Volk. Gott ist sein Vater geworden. Als er aufblickte nach der Taufe sah er Philippus nicht mehr, aber was machte das schon! Er gehörte Gott. Gott hat auch ihn lieb, das erfüllte ihn ganz und gar mit unbeschreiblicher Freude und er zog seine Straße fröhlich dahin.

Predigthilfe: Es kommt darauf an, den Kindern an Hand dieser Geschichte die eigene Taufe groß und wichtig und zu einem Schatz zu machen, der sie auch fröhlich ihre Straße ziehen lässt. Das kann auf vielerlei Art geschehen, ich würde noch einmal das Bild des fröhlich heimwärts fahrenden Kämmerers vor ihren Augen erstehen lassen und würde dann die Frage stellen, was würde man wohl als Grund seiner Freude annehmen, wenn man von der Geschichte vorher nichts wüsste.

Der prächtige Reisewagen, die Dienerschaft, die kostbare Kleidung würden uns verleiten, zu sagen: Ja, der kann fröhlich sein, man sieht es, er ist reich, er hat einen guten Posten, er wird bestaunt und geehrt. Aber all das hatte ihn ja nicht befriedigt, sondern er hatte die weite Reise nach Jerusalem unternommen, weil ihm das Größte und Wichtigste fehlte, was ein Mensch braucht, um wirklich froh zu sein: Die Gewissheit, dass Gott ihn liebt. Nun war er getauft, nun war Christus sein Herr und Heiland geworden und um seinetwillen Gott sein himmlischer Vater – deshalb war er fröhlich.

Dann würde ich die Kinder an ihre eigene Taufe erinnern. Schließlich müsste gesagt werden, dass Gott allein die Freude an der Taufe schenken kann, er will es aber tun, wenn wir als seine Kinder miteinander (Gemeinschaft, Gottesdienst) leben und sein Wort gerne hören und lernen.