Handreichung für den Kindergottesdienst

1. Sonntag nach Epiphanias - 13. Januar 1963 - Joh. 1,43-51
Jesus macht Philippus und Nathanael zu seinen Jüngern.

Lieder: O Jesu Christe, wahres Licht / EKG 50, KGb 44 | „Mir nach“; spricht Christus / EKG 256, KGb 152

Spruch: Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit (Joh. 1,14)

Zur Auslegung:

Es geht in diesem Abschnitt darum, dass und wie Jesus zwei Männer zu seinen Jüngern macht. Was aber bedeutet Wort und Begriff „Jünger“ zur Zeit Jesu in Palästina? Dazu in aller gebotenen Kürze etwa dieses: Die Schriftgelehrten (Rabbiner) hatten je nach Geltung und Ruhm einen kleineren oder größeren Kreis von Schülern, die sich ihnen als Lernende anschlossen und mit ihnen in relativ enger Lebensgemeinschaft standen, bis sie sich eines Tages wieder aus diesem Kreis lösten, um selbst als Schriftgelehrte und Rabbi zu wirken. Ihre Jüngerschaft basierte auf ihrem eigenen Entschluss, wurde bestätigt durch die Annahme des Rabbi, er diese aber selbstverständlich den Sündern und Zöllnern, wie auch den Frauen verweigerte.

Auch Johannes der Täufer hatte Jünger, doch da er weniger ein Rabbi als ein Prophet war, hatte die Jüngerschaft bei ihm einen anderen Charakter. Die Männer um Johannes glichen mehr den Prophetenschülern das AT, so meine ich. Sie strebten nicht nach eigenem Ruhm als Rabbi, sondern danach sich zu rüsten, Herold und Kämpfer des Messias zu werden. Zu den Jüngern des Johannes gehörten Andreas und Simon Petrus, auch Johannes und Jakobus (auch wenn Johannes den Namen des anderen Jüngers verschweigt, so darf man wohl gerade deshalb annehmen, dass er sich selbst meint) dazu gehörte nun auch Philippus und wahrscheinlich Nathanael.

Jesus von Nazareth hatte auch dazu gehört. Nach der Taufe aber - und das ist die Situation in die unser Abschnitt uns stellt, sammelt er selbst Jünger. Das aber geschieht auf eine entscheidend andere Weise als es die Rabbiner und auch der Täufer taten.

1. Sie kamen nicht aus eigenem Entschluss, sondern er rief sie, auf sein Wort hin werden sie Jünger. Das ist allen Berichten der Evangelien wichtig.

2. Er kennt keine Voraussetzungen oder Hinderungen wie die Rabbiner; den Zöllner ruft er und auch Frauen dürfen ihm folgen.

3. Gibt es für keinen seiner Jünger den Weg zum Herr sein. Jüngerschaft ist kein Durchgangsstadium zum Höheren. (Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lasen; denn einer ist euer Meister ..., Mat. 23,8) Es gibt nicht Größeres als Jünger-sein.

Der Text führt uns an die Taufstelle am Jordan in der Nähe von Bethabara. Vorausgegangen ist die Taufe Jesu und der Hinweis des Täufers auf Jesu als den Messias, allerdings in verdeckter Form (Lamm Gottes). Als der Leidende war der Messias ja nicht populär und nicht erhofft. Jesus trennt sich jetzt endgültig von Johannes dem Täufer und sammelt seine Jüngerschar. Er will wieder nach Galiläa und „findet“, das kann heißen: „trifft zufällig“, es kann aber auch heißen: „findet nach bewusstem Suchen“ Philippus. Und Philippus findet Nathanael, das heißt er hat ihn sicher gesucht, seinen Freund und Gefährten, im Apostelverzeichnis Bartholomäus genannt (Mat. 10,3). Und er sagt zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchen Mose im Gesetz ... also den Messias. Wir haben ihn gefunden, also schon zumindest die Fünf, die oben genannt sind. In Jesus von Nazareth hat Gott uns den Messias gezeigt. „Josephs Sohn von Nazareth“ war nun für einen frommen Juden Ja und Nein zugleich. Josephs Sohn das war Ja, denn aus der Linie Davids, das musste der Messias sein. Aber Nazareth das war Nein, denn unbedeutend war diese Stadt und von schlechtem Ruf. Was kann von Nazareth Gutes kommen, das mag ein geflügeltes Wort gewesen sein. Doch Philipus wusste die einzig richtige Antwort, wenn es um den Glauben an Jesu geht: Komm, überzeuge dich selbst; Komm und sieh es! Und Nathanael wird überwunden, er trifft auf den, der seine geheimsten Wege und Gedanken kennt.

Dem aber, dem nun ein ganz klares Messiasbekenntnis über die Lippen kommt, obwohl er Jesus zunächst nicht anders anzureden weiß als mit Rabbi, dem wird zugesagt, dass er die einzigartige Verbindung Jesu mit Gott werde sehen dürfen, dass er Zeuge seiner Herrlichkeit werde sein dürfen.

Erzählhilfe: Etwa für 8 bis 10 Jährige.

Liebe Kinder!

Draußen am Jordan, dem großen Fluss, der durch das Heilige Land fließt, waren viele Menschen zusammengekommen. Seltsam, was wollten sie dort in der Einöde? Johannes der Täufer predigte dort und er tat es so gewaltig, dass die Menschen über ihre Sünden erschraken und sich zum Zeichen dafür, dass sie nun Gott besser gehorchen wollten, taufen ließen.

Unser Herr Jesus war nun auch dort gewesen und hatte sich auch taufen lassen, obwohl er ja keine Sünden hatte. Jetzt aber wollte er wieder zurück in seine Heimat Galiläa und traf dabei einen Mann mit Namen Philippus, denn der war auch aus Galiläa, nämlich aus der selben Stadt Bethsaida, aus der der Petrus und sein Bruder war, die beiden Fischer vom See Genezareth. Jesus wollte, dass Philippus sein Jünger würde, er sollte ihn immer begleiten, sollte von ihm lernen und später einmal bezeugen, dass er, Jesus, wirklich Gottes Sohn und der Heiland der Menschen sei. So sagte er zu Philippus: „Folge mir nach!“ Und Phillippus gehorchte. Er mag daran gedacht haben, was bei der Taufe Jesu geschehen war. Wisst ihr es auch? Er erinnerte sich daran, dass Johannes der Täufer von Jesus gesagt hatte, dass dieser der Heiland sei. Ach wie froh mag Philippus gewesen sein, dass Jesus ihn nun ansprach und ihm erlaubte, ja ihm befahl: Folge mir nach! Das war so herrlich, dass er es nicht für sich behalten konnte. Ihr wisst ja, wie das ist, wenn ihr etwas Schönes erlebt habt! Dann müsst ihr es so schnell wie möglich der Mutter oder dem Vater, dem Bruder oder der Schwester, oder euren besten Freunden erzählen. Phillippus aber hatte nicht nur etwas Schönes erlebt, er hatte auch ein ganz großes Geschenk bekommen, nämlich dass er jetzt zu Jesus gehören sollte. Das musste er nicht nur seinem Freund erzählen, er musste auch dafür sorgen, dass sein Freund auch dieses Geschenk bekäme. Er wusste, auch sein Freund Nathanael wartet auf den Heiland der Menschen und so lief er und fand ihn und sagte zu ihm: „Nathanael, hör doch, Simon und Andreas und Johannes und Jakobus, du kennst doch die Fischer aus eurer Stadt, und ich, wir haben den Heiland gefunden, haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben; es ist Jesus, Josephs Sohn, von Nazareth!“ Wie gespannt mag er nach diesen Worten gewartet haben, dass Nathanael sich freute und auch glaubte! Doch das war eine richtige Enttäuschung. Nathanael sagte nur: Was kann aus Nazareth Gutes kommen?

Gewiss Nazareth hatte keinen guten Ruf. Man hielt die Menschen dort nicht für besonders gute und fromme Juden - aber müsste ihm nicht genügen, dass Jesus Josephs Sohn ist, also aus der Familie des Königs David stammt? So sollte es bei dem Heiland doch sein! Da fiel ihm die einzig richtige Antwort ein und er sagte: „Komm und sieh! Überzeug dich selbst!“ Und seht Nathanael ging mit. Er glaubte zwar nicht, aber er wollte doch selbst sehen und prüfen, als aufrechter und ehrlicher Mann. Er suchte ja den Heiland. Aber dass Jesus ihn schon lange kannte, das wusste er nicht. Ganz betroffen und erschüttert war er deshalb als Jesus nun von ihm sagte: „Siehe, ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist. Ein rechter frommer Jude, kein Heuchler, aufrecht und wahr.“ Ganz erschrocken fragte Nathanael: „Woher kennst du mich?“ Doch mit dieser Frage beginnt nun schon seine Jüngerschaft.

Jesus will, dass auch er ihm folgt und sagt ihm: Nathanael, ehe dich jetzt Phillipus rief und mitbrachte, habe ich dich schon lange zu meinen Jüngern erwählt, denk daran als du unter dem Feigenbaum warst! Ja, was war da geschehen? Liebe Kinder: Wir wissen das nicht. Aber dass Jesus das wusste, was sonst kein Mensch wissen konnte, das war für Nathanael zugleich ein großer Schrecken und eine große Freude. Jetzt glaubte auch er, dass Jesus, Josephs Sohn aus Nazareth, bestimmt der Heiland ist und sagte zu Jesus: „Rabbi, du bis Gottes Sohn, du bist der König von Israel.“ Das bedeutet: Du bist der Heiland und er wollte damit auch sagen: Ja, jetzt will ich bei dir bleiben, jetzt will ich dein Jünger sein, denn du hast mich dazu gerufen. Jesus aber antwortete ihm: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres als das sehen.“ Und dann wendete sich Jesus auch an all die anderen Jünger und sagte ganz ernst und feierlich: „Wahrlich, wahrlich ich sage Euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gotte hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn“

Liebe Kinder, ihr kennt die Geschichte von Jakob, der im Traum die Engel auf einer Leiter hinab und herauf steigen sah. An diese Geschichte erinnerte Jesus die Jünger und sagte ihnen, was für Jakob nur ein Traum war, das werdet ihr bei mir als Wirklichkeit erleben. Ganz eng bin ich verbunden mit meinem Vater im Himmel und ihr werdet das erkennen dürfen, ihr werdet meine Herrlichkeit sehen.

Predigthilfe: Ausgehend von dem, was in der Darbietung deutlich wurde, nämlich, dass Jesus sich seine Jünger nach eigenem Ermessen erwählt hat und auch menschliche Zweifel und Unglauben selbst überwunden hat, würde ich etwa an Eva v. Thiele-Winkler aufzeigen, wie er das noch heute tut und auch zu seinen ruft und will, dass wir seine Jünger sind und seine Herrlichkeit erleben.