Handreichung für den Kindergottesdienst

Estomihi - 4. März 1962 - Luk. 13,31-33

Jesus ist bald am Ziel

Lieder: Lasset uns mit Jesu ... / EKG 252, KGb 147

Jesu, geh voran / EKG 274, KGb 148

Warum sollt ich ... / EKG 297, KGb 164

Spruch: Sehet wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. (Luk. 18,31)

Zur Auslegung:

Die Wahl dieses Textes zur Perikope für den Kindergottesdienst erscheint mir nicht sehr glücklich. Ein Gespräch ist für Kinder nicht leicht zu verstehen und sein Inhalt schwer zu behalten. Nicht weniger schwer ist die Darbietung

Zum Text selbst: Es ist Sondergut des Lukas, hier mit dem Wehruf über Jerusalem verbunden, der bei Mathäus erst wesentlich später – und damit zeitlich richtiger wiedergegeben wird.

Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass ausgerechnet Pharisäer Jesus warnen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass bei ihnen das Haus Herodes aufs tiefste verhasst war, dazu muss bedacht werden, dass auch unter den Pharisäern viel echtes Bemühen vorhanden war, Jesus gerecht zu werden. Wie warten ja auf den Messias! Dass ihre Normen, mit denen sie ihn maßen und ihn zu erkennen sich vermaßen bei Jesus versagten, ist menschlich gesehen ihre Tragik; dass sie aber den Worten Jesus und den Zeichen, die er tat, nicht glaubten wurde zur großen Schuld.

V.32 Dass Jesus den Herodes (Antipas) – bis 39 in Galiläa einen Fuchs nennt, mag unter anderem darin begründet sein, dass mit dieser Todesdrohung eine List des Königs versucht wurde, Jesus aus den Lande zu treiben. Selbstverständlich ist die Zeitangabe nicht wörtlich zu nehmen. Jesus bleibt wenig Zeit für das ihm aufgetragene Werk, das er selbst als Tat und Kampf gegen Teufel und Tod bezeichnet. Zugleich sind es Merkmale und Zeichen für sein messianisches Tun.

V.33 Sein Weg aber ist Leidensweg im Gehorsam: „Ich muss“ heute und morgen und am Tage danach „wandern“. Der Hinweis auf Ende und Ziel und Tod in Jerusalem ist beides. Jesus Ja zum gottgewollten Leiden und seine Zurechtweisung der Pharisäer, die in ihrer verstockten Frömmigkeit in der furchtbaren Nachfolge aller derer stehen, die in Jerusalem die Propheten töteten. 2. Chron. 24,20 ff; Jerem. 26,20 ff

Erzählungshilfe:

Jesus wird gewarnt. Zur selben Stunde kamen etliche Pharisäer und sprachen zu ihm: „Gehe fort und ziehe von hinnen, denn Herodes will dich töten.“ Liebe Kinder! Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem und beantwortet gerade die Frage eines Mannes, als einige Pharisäer zu ihm kamen und ihn vor dem König Herodes Antipas warnten, der in Galiläa und auch auf der anderen Seite des Jordans sein kleines Königreich hatte. Er war wie sein Vater, der das Jesuskind töten wollte, kein guter König und hatte ständig Angst, man könnte ihm sein Königreich wegnehmen. Er hatte vor kurzem auch Johannes den Täufer hinrichten lassen und meinte in seiner Angst, Jesus sei der wiedererstandene Johannes der Täufer. So wollte er Jesus aus seinem Land hinaustreiben und wird einmal gesagt haben: Jesus werde ich auch töten. Aber, werdet ihr sagen, wieso denn warnten ihn die Pharisäer, die wollten doch Jesus auch umbringen? Ja, das werden viele von ihnen gewollt haben, doch noch mehr als Jesus hassten sie den König Herodes und seine ganze Familie, auch gab es ja Pharisäer, die auf Jesus gern hören wollten, denkt nur an Nikodemus.

Jesus aber nimmt die Warnung nicht an.

Und er sprach zu ihnen: „Gehet hin und saget diesem Fuchs: Siehe, ich treibe böse Geister aus und mache gesund ...“. Auch alle Macht und List eines bösen Königs können es nicht verhindern, dass Jesus tut, was sein Vater im Himmel ihm aufgetragen hat. Jesus weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat, aber noch gibt sie ihm Gott und so lange will er heilen und helfen, die bösen Geister auszutreiben, die die Menschen quälen und krank machen. Auch sollten die Menschen merken, dass er Gottes Sohn ist. Den König nennt er einen Fuchs, weil er weiß, dass er sehr listig ist und ihn jetzt vielleicht noch gar nicht töten, sondern ihm nur Angst machen will. Jesus aber hat keine Angst. Er tut, was Gott will und weiß, dass er bald am Ziel ist. Darum sagt er: „Doch muss ich heute und morgen und am Tag danach noch wandern, denn es geht nicht an, dass ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.“

Jesus weiß, dass er nach Gottes Willen leiden muss. So will er weiter von Ort zu Ort wandern, ohne sich Ruhe zu gönnen, bis er nach Jerusalem käme, wo er wusste, dass er dort würde sterben müssen. Die Passionszeit, das ist die Leidenszeit, begehen wir darum jetzt mit allen Christen auf der Erde, um erneut zu lernen, wie der Herr Jesus für uns viele Schmerzen, Angst, ja den Tod auf sich genommen hat. Wir sollten Gottes Kinder werden, darum wurde Jesus ein Mensch, ein Mensch ohne Sünde und bezahlte durch seinen Tod aller Menschen Schuld. Die Pharisäer damals aber mahnte Jesus: Denkt daran, schon eure Vorfahren haben die Propheten getötet, die dem Volk doch nur Gottes Willen sagen wollten. Ihr werdet es mit mir auch so tun.

Predigthilfe:

Liebe Kinder! Ihr habt heute gehört, dass Männer zu Jesus kamen, um ihn vor dem bösen König Herodes Antipas zu warnen. Aber Jesus hat die Warnung nicht angenommen. Er hat vielmehr gesagt: Auch ein König kann mir nichts tun, denn ich muss nach Gottes Willen heilen und Gottes Willen tun. Danach erst werde ich nach Jerusalem gehen und sterben, weil Gott es so will. Dass Jesus so ruhig und fest blieb, bewundern wir. Wir selbst lassen uns ja so leicht Angst machen! Wie schön wäre es, wenn wir davon frei würden. Der Herr, Jesus aber will uns dabei helfen. Wir müssen nur mit ihm gehen, wie es im Liede heißt: Lasset uns mit Jesus ziehen, seinem Vorbild folgen nach. Er will ja bei uns sein. Wer auf ihn hört und tut was er sagt, der braucht sich auch nicht zu fürchten. Dazu ist er ja gestorben und auferstanden, damit wir es glauben, dass nun alle Schuld bezahlt ist, weil Jesus sie auf sich genommen hat. Wir brauchen nicht mehr vor Gott weglaufen. Das Jesus auferstanden ist, dass aber heißt doch auch, dass der Tod besiegt ist. Und so wie Jesus nach seiner Auferstehung bei den Jüngern war, so sollen wir glauben, will er zwar unsichtbar noch heute bei uns sein als ein starker Helfer, der noch über die Maßen viel stärker ist und uns noch mehr liebt als unser großer Bruder oder unser Vater. Ja, wir dürfen es wissen, dass uns der Heiland durch sein Leiden und Sterben zu Kindern Gottes gemacht hat.

Gerhard Becker, Dersekow

Krs. Greifswald