Predigtauszug zum 85. Geburtstag
- Gerhard Becker 1995

"Wenn das rohe Holz vor einem liegt und man plötzlich doch noch etwas anderes darin sieht, als nur ein Stück Baum oder einen alten Zaunpfosten. Da ist eine Idee, ein Gedanke - auch er muss ja erst Gestalt annehmen im Kopf. Und dann beginnt man vielleicht irgendwann zögerlich die Eisen anzusetzen. Man arbeitet. Mal schlägt man zu und mal kratzt man vorsichtig, ganz vertieft in das, was man heraushaut, besser gesagt hervorholt, denn eigentlich ist es ja schon da - vor Augen, diese Linien, diese Struktur, diese Gestalt eben, die da werden soll. Und dann muss man doch anhalten, weil der Schweiß fließt, und vielleicht auch weil das lebendige Holz etwas anderes will, weil Dinge zum Vorschein kommen, die vor¬her gar nicht sichtbar waren. Und ich kann mir vorstellen, man ist ganz vertieft dabei in Gedanken. Man ist im Zwiegespräch mit sich selbst, mit dem Material. Man ist im Gespräch mit der Gestalt, die entsteht. Man kommt ins Gespräch mit Gott. Man betet."