Kirchenkreis Anklam

Der Kirchenkreis

Im alten Synodalbuch steht darüber geschrieben:
Ad Tanglymensem Synodum pertinent ... Zum Kirchenkreis Anklam gehören Bargescho, Kagendorp, Ducherow, Ratibur, Hagen (Altwingshagen), Putzahr, Wusseken, (eingeschoben) Boldekow ab 1570, Teterin, Jarpenzin Spantkow, Iuen, Gramtzow, Kryn, Medow, Blesewitze, Görike, Czyten. Es waren also - Anklam dazu gezählt - 23 Pastoren und Pfarrstellen. Doch im 16. Jahrhundert wurde Japenzin mit Iven vereinigt. Weitere Pfarrstellen verloren im 17. Jahrhundert ihre Selbstständigkeit als infolge der vielen Kriege große Teile des Kreises verwüstet und entvölkert waren: Görke kam zu Blesewitz, Putzzar, Boldekow und Wusseken wurden eine Pfarre, erst 1738 kam es zur Aufteilung in die beiden Pfarrsprengel Boldekow-Putzar und Wusseken, für das der Pfarrsitz auf Anordnung des Patrones, des Feldmarschall Kurt Christoph von Schwerin in das von ihm erbaute Schloß verlegt wurde, in dem auch eine Schloßkapelle entstanden war. Als nach dem Nordischen Krieg die Peene die Grenze zwischen Schweden und Preußen wurde, schied auch Zythen aus. Auch in unserer Zeit kam es zu weiteren Veränderungen im Kirchenkreis Altwingshagen wurde dem Kirchenkreis Ueckermünde zugeteilt. Für Leopoldshagen steht dies evtl. bevor. Blesewitz und Teterin sind nicht mehr besetzt. So sind es zur Zeit nur noch 15 Pastorinnen und Pastoren, die im Kirchenkreis Anklam ihren Dienst tun. Die Leitung des Kirchenkreises hatte seit der Reformation zunächst der Pastor an der Marienkirche, die man als die Hauptkirche ansah. Seit Magister Budde aber war mit kurzer Unterbrechung bis 1830 dies Amt mit dem Pastorat an der Nikolaikirche verbunden. Magister Franz Budde hatte bei seiner Wahl 1681 gebeten, aus wirtschaftlichen Gründen in seiner Pfarrstelle an Nikolai bleiben zu dürfen. Seit 1830 waren schließlich mit einer Ausnahme Landpastoren zugleich Superintendenten, so Bartsch-Kagendorf, Belling und Braun in Medow, Schwabedissen-Iven und Jungmichel in Spantekow, der aber 1927 nach Anklam-Nikolai ging. Seitdem ist das Amt wieder jeweils mit einem Pfarramt in Anklam verbunden.

Heilig-Geist-Kirche

Der dritte Turm, der die Silhouette unserer Stadt bestimmt, ist der der Heilig-Geist-Kirche, die allerdings schon über 100 Jahre nicht mehr gottesdienstlich genutzt wird, sondern als Alters- und Pflegeheim dient. Nach dem Muster des St.-Spiritus-Hauses waren in vielen Städten schon im 13. Jhd. Heilig-Geist-Häuser gestiftet worden, die vornehmlich Fremde, die erkrankt waren, aufnahmen sich aber auch um Arme allgemein kümmerten. Zu diesen Häusern gehörten; auch Kirche, Pfarrhaus und Friedhof. So auch in Anklam, wo "Heilg-Geist" schon 1275 genannt wird. Nach der Reformation finden alte Bürger im "Stift" Aufnahme und in der Kirche predigt regelmäßig der Rektor der Lateinschule. 1659 brannte die Kirche mit 100 Häusern zusammen nieder. Erst 1738 begann der Wiederaufbau. Aber nun sollte die Kirche auch zugleich Garnisonkirche sein, so predigte nach der Fertigstellung (1742) außer dem Rektor der Lateinschule auch dar jeweilige Feldprediger dort und hin und wieder der reformierte Geistliche aus Pasewalk bzw. Staasburg, der die kleine Schar der Reformierten betreute. 1854 wurde die Kirche zu Proben (kl. Wohnungen für alte Bürger) ausgebaut, 1945 vernichtet wurden schon recht bald Stiftsgebäude und ehem. Kirche zu einem Alters- und Pflegeheim wieder aufgebaut, auch der Turm erstand aufs Neue.

Kreuz-Kirche

Sie ist nicht die erste Kirche dieses Namens in unserer Stadt. Die Augustinermönche in der Brüderstraße hatten schon ihre Kirche dem Kreuz Christi geweiht und der "Kreuzsteig" er innert daran, dass da, wo er die Breite-Straße überquert, die Kapelle zum "Heilgen Kreuz" stand. Dass schon so bald in der Siedlung unsre treue Kreuzkirche gebaut werden konnte, sah und sieht die Gemeinde als ein besonderes Gottesgeschenk an. 1947 erwog, man einen Gemeinderaum zu bauen, 1952 wurde ein Plan dafür erarbeitet und genehmigt. Doch dann flossen Opfer und Spenden so reichlich, das Hilfswerk der Schweiz half auch so kräftig, dass am 11.10.1953 doch der Grundstein zur jetzigen Kirche gelegt werden konnte. Am 9. Oktober 1954 war Richtfest und am 13. November 1955 war Kirchweihe. Dabei erklang durch den Kreuzchor die Kantate 117 von Joh. Seb. Bach. Als Gabe der Marienkirche übernahm die Kreuzkirche den kleinen Kreuzigungsaltar, eine besonders wertvolle Arbeit aus der Zeit um 1430. Die Kirche wurde nach dem Entwurf und unter der Bauführung von Kurt Buchholtz, Architekt in Anklam und zugleich Kirchehältester, errichtet.

Marien-Kirche

Über Baubeginn oder Weihe ist urkundlich nichts bekannt, doch darf man annehmen, daß zu der Zeit, da die Stolper Mönche die villa forensis, das Marktdorf, für sich beanspruchten (nach 1226/27) der Bau einer Kirche zumindest schon in Angriff genom-men war. Urkundlich belegt ist aber der letzte Bauabschnitt durch die Ablaßurkunde von 1488.
Anstelle des unfertigen, vielleicht bei kriegerischen Ausein-andersetzungen zerstörten romanischen Turmes entstand mit Hilfe des Ablaßerlöses die Marienkapelle. Die 1257 und 1267 genannten Plebane waren sicher die Gemeindepfarrer von Marien, dessen Kirchspiel nicht nur das Stadtgebiet selbst umfaßte, sondern weit darüber hinaus reichte. Butzow und Pelsin gehörten dazu, und noch 1610 wird das gleiche von Kuhlerort gesagt und noch 1669 von dem Vorstadtgebiet vor dem Steintor.
Trotz vieler Kriege und Brandkatastrophen, die über die Stadt kamen, hat die Kirche die, die Zeiten ohne bleibende Schäden überdauert, nur ihren stolzen Turm hat man immer wieder einmal in seiner Spitze erneuern müssen. 1637 zündete ihn der Blitz, 1676 fiel er der Belagerung durch den Kurfürsten von Brandenburg zum Opfer. 1816 und 1884 brannte die Spitze ab und am 9. Oktober 1943 vernichteten Bomben die hohe Spitze und beschädigten das Kirchendach schwer, doch schon Pfingsten 1947 ertönte vom Turm wieder Glockengeläut. Die große Apostelglocke von 1450 aus der Nikolaikirche, die dort den Sturz im ausgebrannten Turm überstand, hängt seitdem im Marienkirchturm. Ein besonderer Schmuck der Kirche ist die mittelalterliche Ausmalung. Aus Spenden der Gemeinde wurde 1962 die große Schuke-Orgel angeschafft.

Nikolai-Kirche

1283 wird Anklam als Mitglied der Hanse genannt. Spätestens um diese Zeit haben die Kaufleute, die die führende Rolle in der jungen Stadt spielten, auch ihre Kirche zu bauen begonnen und sie Nikolaus, dem Patron der Seefahrer weihen lassen. Die Anfänge reichen also noch ins 13. Jahrhundert, aufs Ganze gesehen aber ist der Bau ein Werk des 14. Jahrhundert, auch wenn noch später daran gebaut wurde. Harmonisch in ihren Maßver-hältnissen und reich an Ausmalung und Innenausstattung galt sie nach der Re-novierung v.1906ff. als eine der schönsten Kirchen unsres Landes. Die letzten Kriegshandlungen 1945, ließen Turmspitze und Dach in Flammen aufgehen. Bald stürzten auch die Gewölbe ein. Der Turm konnte später gesichert werden und die Südkapellen wiederhergestellt werden, sodaß sie für die Veranstaltungen der Landeskirchlichen Gemeinschaft zur Verfügung stehen.

Altwigshagen

Altwigshagen hat vermutlich seinen Namen von Oldewig, von Schwerin oder Oldag, erste Erwähnung 1295. Die Kirche hat sicher in ihren mauern mittelalterliche Bausubstanz, das jetzige Gebäude aber ist das Produkt vieler Hände und keinem Stil wirklich zuzuordnen. Am Ort des ehemaligen Turmes steht ein schlichter Glockenstuhl. Während des 30-jährigen Krieges wurde Ort und Kirche verwüstet. Der 1631 berufene Pfarrer Barthold Schüler lässt noch 1645 seine Zwillinge Johann und David in Anklam taufen.

Bargischow

Herzog Buguslaus IV schenkte 1285 der Stadt Anklam für die vielen guten Dienste, die die Stadt ihm erwiesen hatte, die Dörfer Pulsyn, Gelendyn, Woserowe und Barwezkowe. Das sind fast alle Dörfer des Kirchspiel Bargischow. Es fehlt nur Gnewezin, das schon seit 1276 den Zehnten an die Bürgerschaft von Tanglim gibt. Man kann annehmen, dass zu dieser Zeit nun Bargischow einen eigenen Pfarre bekam, zumal der Ostteil der Kirche, der immer für den Priester bestimmt war, noch Stilelemente des 13.Jahrhunderts aufweist. Im 30jährigen Krieg wurde Dorf und Kirche zerstört. Letztere konnte erst Pastor Mandersen (1681-1701) wieder aufbauen, wobei ihm der Küster Jochim Griese so tatkräftig half, dass man ihm zum Dank ein Grab in der Kirche gewährte. Vor gut einhundert Jahren erfuhr die Kirche dann erneut eine gründliche Wiederherstellung, neue Fenster, ein neues Gestühl und eine Orgel wurde angeschafft. Am 19.12.1877 war die festliche Wiedereinweihung

Blesewitz

Am 6.1.1399 verkaufte Bischof Johann von Cammin dem Kloster Stolpe das Eigentum des Dorfes Blesewitz im Lande Groswin. Aber Dorf und Kirche sind sicherlich wesent-lich älter, zeigt doch der Ostteil der Kirche noch Stilelemente des 13. Jahrhundert. Der Gemeinderaum, der mittlere gotische Teil, und der Turm bekamen erst 1830 bzw. 1746 ihre jetzige Gestalt. Die Visitation im Jahre 1690 besagt: der Turm ist weg. Er wurde erst in den Jahren 1745ff. wieder erbaut. Im Zuge der Renovierung im Jahre 1830 wurden im Norden neue Fenster eingebrochen und die Südfenster vergrößert.

Am 22.7.1881 bekam die Kirche ihre Orgel, die der Orgelbaumeister Grünberg-Stettin erbaut hatte.1949 wurde die Kirche renoviert. Die Drehe war möglicherweise dem Kreuz Christi gewidmet und geweiht, denn ein Ackerstück heisst laut Matrikel v. 1576 "das Heyl-Creutz-Stück".

Boldekow

Die Visitation des Kirchspiel Boldekow fand am 19. Juli 1570 statt. Man stellte fest: die Pfarre ist gut dotiert, zur Zeit jedoch vakant und das Pfarrgehöft wüste. Aber es wird umgehend wieder aufge-baut und noch im gleichen Jahr ordiniert der Superinten-dent D. Runge Jacob Druf und führt ihn als Pfarrer ein. Im 17. Jhd. nun wurde nicht nur wieder das Pfarrgehöft wüste, sondern das ganze Dorf. Die Kirche war vermutlich erst 1728 wieder hergestellt. Der Turm gleicht dem von Spantekow, den der aus Thüringen stammende Zimmermeister Schwarzenhauer in Anklam erbaut hatte. Im Jahre 1852 bekam die Kirche eine Orgel von Kaltschmidt, der zur gleichen Zeit in Anklam eine Orgel baute.

Bugewitz

1233 erhält das Kloster Usedom das Eigentum des Dorfes Bugewitz. 1288 verkauft das Kloster Stolpe den Zehnten aus Bugewitz an den Ritter Rudolf von Nienkerken. 1322 belagern die Anklamer Bürger die Burg der Nienkerken in Bugewitz und zerstören sie. Schon 1572 gehört die ehemalige Muttergemeinde Bugewitz zu Ducherow. Die Kirche ist ein mittelalterlicher Feldsteinbau mit Backstein in den Giebeln und Fensterlaibungen. Nach großen Zerstörungen wurm de sie 1718 wieder aufgebaut. Der Turn stammt aus dem Jahr 1784. Auch Bugewitz besitzt eine wertvolle mittelalterliche Glocke, vermutlich vom selben Meister wie die Ducherower. 1878 bekommt die Kirche eine Orgel.

Ducherow

1307 wird Nicolaus Kerchere in Ducherow genannt. Das Mauerwerk des Ostteils der Kirche stammt noch aus dem Mittelalter. lm 30-jährigen Krieg und besonders danach im Jahr 1657/58 wurde das Dorf niedergebrannt. Erst 1718 kam es zum Wiederaufbau der Kirche. Der Turm entstand unter dem Patronat des Preußischen Generalfeldmarschall Furt Christoph Graf Schwerin - Schwerinsburg. Der Baudirektor war der Inspektor Andreas Christoph Neumann zu Schwerinsburg. Eine Besonderheit ist der runde Grabstein des Pastor Henricus Schulte, der sich auch Praetorius nannte. Er war von 1569 an Pfarrer in Ducherow. Die große Glocke stammt aus dem Jahre 1472.

Gramzow

Schon im Mittelalter war Gramzow eine gute Pfründe, so war ein Pfarrstelleninha-ber auch der fürstliche Notar Bussovon Ramin (1494). Seit 1953 ist die Pfarrstelle mit Krien verbunden. Von der Kirche, einem Back-steinbau des 13. Jhd. schreibt Hugo Lemke in Bau- und Kunstdenkmäler Krs. Anklam: „Das Gebäude, das wohl als das Älteste des ganzen Kreises anzusehen ist, muss in seiner Vollständigkeit einen recht stattlichen Eindruck gemacht haben.“ Leider haben Renovierungen (zu sparsam ausgeführt) dem Bau unersetzlichen Schaden zugefügt.1795 Giebel und Turm abgenommen,1862 bei einem erneuten Umbau die massiven Gewölbe entfernt. Dennoch hat auch diese Kirche einige Besonderheiten;außer 2 wertvollen Glocken des 15.Jdt., die Kuppa eines alten Taufsteines und an der Südwand Ritzzeichen im Manerwerk,von denen man einige als Sonnenuhren identifiziert hat.

Görke

Zum Besitz des Kloster Stolpe gehörte schon 1183 auch das Dorf Görke. Zur Zeit der Reformation war es Pfarrort. Wie die meisten Orte des Kreises wurde auch Görke in den Kriegen des 17.Jahrhunderts weitgehend zerstört, so dass es nahe lag, die Pfarre Görke mit der Pfarre Blesewitz zu verbinden zumal die Bezüge des Blesewitzer Pfarrers unbeding aufgebessert werden mussten, weil er "in bitterer Armut" lebte. Schon von 1683 an hatte Pastor Michael Schmidt beide Pfarren betreut, die von 1690 an nun fest miteinander verbunden wurden. Die schöne gotische Kirche hat keinen besonderen Chorraum, was für eine Pfarrkirche auffällig ist, ebenso wie die Tatsache, dass der Bau 5 große Portale hat. Fungierte sie einmal als Wallfahrtskirche? 1861 wurde eine große Renovierung durchgeführt und der jetzige Turm erbaut. Die Orgel baute 1882 der Orgelbaumeister Grüneberg aus Stettin.

Iven

Die Pfarrstellen Iven und Japenzin wurden 1567 zusammengelegt, weil die "Hevinge" gering war, sowohl in Iven wie in Japenzin. Die Kirche in Iven ist ein Bau des 17. Jahr-hunderts, nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges auf den Fundamenten und Mauerresten der mittelalterlichen Kirche errichtet. Im 18. Jhd. kam die schöne barocke Innenaus-stattung dazu. Einige Daten zum Baugeschehen: 1718 wird der Kirchengiebel abgenommen, 1719 das Leichenhäuschen erneuert, 1737 schuf der Bildhauer Hase Kanzel und Altar und 1752 wurde der Anbau im Norden errichtet. 1753-führt der Mlühlenmeister Wellmitz eine große Turmreparatur durch. Er stammt vermutlich aus Wismar.

Japenzin

Die Kirche in Japenzin ist ein mittelalterlicher Feldsteinsbau. So erscheint sie uns noch heute, auch wenn natürlich immer wieder daran repariert und erneuert werden musste. Hat das östliche Halbrund noch hochsitzende Rundbogenfenster, vermutlich aus der Entstehungszeit, so hat die Nord- und Südwand schon Spitzbogen-fenster. Der Turm wurde sicher mehrmals erneuert oder gesichert, die Akten erwähnen 1667. Japenzin hat die ältesten Glocken weit und breit. Die große Glocke trägt die Jahreszahl 1366 und den Engelsgruß an Maria: aus Maria gracia plena dominus tecum. Der spätgotische Flügelaltar wurde 1960 restauriert.

Kagendorf

Die dem Petrus geweihten Kirchen sind in der Regel sehr alte Kirchen, das dürfte auch für Magendorf zutreffen. Allerdings wird urkundlich erst 1307 ein Pfarrer (Albertus) für Kagendorf genannt als es um die Gründung der Marienkirche in Kosenow ging. Die mittelalterliche Kirche erlitt im 30-jährigen Krieg großen Schaden und brannte mit dem gesamten Dorf 1657 nieder. Nach großen Schwierigkeiten gelang 1668 der Wiederaufbau, Altarschranken und Kanzel stammen aus dieser Zeit. Für den durch Sturm beschädigten Glockenstuhl begann man 1750 mit dem bau eines Turmes, Das massive Untergeschoß steht noch heute, das Obergeschoß aber war 1869 so baufällig, dass die Glocken herausgenommen werden mussten und die Kirche für den gottesdienstlichen Gebrauch gesperrt wurde. Erst 1879/80 kam die Großreparatur zum Abschluss. Gleichsam als Krönung des von der ganzen Gemeinde getragenen Wiederaufbaus konnte am 10. Dezember 1883 die Orgel geweiht werden. Am Karfreitag 1882 hatte ein Unbekannter als Grundstock für eine Orgel 100 Mark auf den Altar gelegt. Als der Turm 1953 erneut repariert werden müßte, bekam er sein jetziges Aussehen.

Krien

1266 stellt Herzog Barnim im Dorf Krien eine Urkunde aus. Die Kirche reicht in diese Zeit zurück, denn Chor und Sakristei gehören noch der frühen Gotik an, die übrigen Teile sind allerdings jünger. Aber abgesehen vom Fachwerkteil des Turmes und dem Giebeldreieick im Osten hat sich der Bau seinen mittelalterlich-gotischen Charakter bewahrt. Turm und Innenaus-stattung ist weitgehend barock, doch gehört die Kanzel noch in die Renaissance, 1602 datiert.Vom Inventar ist als besonders wertvoll anzusehen, außer der Madonna, die Glocke aus dem 15. Jhd. und der wahrscheinlich sehr alte Taufstein.

Leopoldshagen

Unter der Regierung Friedrich II von Preußen legte auch die Stadt Anklam Kolonistendörfer an: 1749 auf der Feldmark des ehemaligen Dorfes Grünberg ein Dorf mit 30 Vollbauern, das 1751 nach dem General Leopold Ton Dessau Leopoldshagen genannt wurde, und ebenfalls 1749 in der ehemaligen Schwalkenheide, einem Eichenwald, ein kleineres Dorf für 12 Halbbauern, das Kalckstein nach dem gleichnamigen General genennt wurde, außerdem entstand 1752 Neu-Kosenow. Kirchlich betreut wurden die neuen Dörfer zunächst von Ducherow und Bargischow, bis 1763 der Rat der Stadt mit Genehmigung der Kgl. Kriegs- und Domänen-kammer und des Konsistoriums eine Pfarrstelle in Leopoldshagen errichtete für die Orte Leo-poldshagen, Kalckstein und Kuhlerort. Der Kirchbau aber begann schon 1754, so dass die Einweihung am 12. Oktober 1755 sein konnte. Der schöne schlichte Fachwerkbau ist eine Zierde des Ortes .Der Entwurf des Land-baumeisters meinte allerdings eine noch größere und prächtigere Kirche. Eine Orgel bekam die Kirche 1871. Die letzte Renovierung war 1966.

Liepen

1222 schenkte die Herzogin lngardis den Ort dem Kloster Stolpe. Man kann annehmen, daß die Mönche bald danach den Westteil der Kirche errichteten, der aus Feldsteinen erbaut wurde und noch heute ein romanisches Portal hat. Als deutsche Bauernangesetzt wurden und der Ort Pfarrsitz wurde, erweiterte man die Kirche durch Priesterhaue und Sakristei unter Verwendung von rotem Backstein. 1307 wird in einer Urkunde Johannes ein Stedeholder den Kercheren genannt. Der jetzige Turm wurde erst im September 1887 eingeweiht, sein Vorgänger, 1706 erbaut aus Fachwerk, war durch Blitzschlag am 2. Mai 1884 abgebrannt. Die Orgel erbaute Grüneberg-Stettin 1879. Figuren eines mittelalterlichen Schnitz-altares sind ein besonderer Schatz der Kirche.

Medow

Die alte Hauptkirche des Kirchspiels existiert nicht mehr. Sie stand auf dem Friedhof in Stolpe. Von ihr sagte eine Aktennotiz (ca. 1847), dass sie klein war und verborgen lag, ohne Turm. Herzog Ernst Ludwig hatte den Pfarrsitz nach Medow, in die Mitte des Kirchspiels verlegt. Die dortige Kapelle musste nun vergrößert werden. Ihre jetzige Gestalt bekam die Kirche bei einer Generalerneuerung im Jahre 1900 (neue Weihe 12.2.1901). Der 200 Jahre alte Fachwerkturm wurde damals durch den jetzigen ersetzt. Glasfenster und Glocken stammen aus der Klosterkirche in Stolpe.

Neuenkirchen

Das Neuenkirchen einmal selbstständige Pfarre war, wird kaum jemand vermuten. Und doch ist es so. Eine Urkunde von 1300 nennt Theodoricus von Berticow als Pfarrer. Die Dotierung der Pfarre mit 3 Papenhufen war auch ungewöhnlich hoch. Man darf annehmen, daß die Ritter Nienkerken als Klastellane von Müggenburg neben dem Burgort Müggenburg (noch 1338 Hauptburg des landen Groswin genannt) den deutschen Ort anlegten. Die Kirche, ein schöner gotischer Bau, bekam ihr jetziges aussehen erst 1858, wo sie "neugebaut" wurde und am 28. Februar 1859 von Gen. Sup. Jaspis eingeweiht wurde. Schon 1820 bekam die sehr dunkle Kirche 2 neue Fenster. Die Orgel baute der Orgelbaumeister Völkner aus Dünnow/Stolpmünde 1894. 1947 wurde die Kirche restauriert.

Putzar

Putzar war ein alter Rittersitz an der Landesgrenze. Weil die Nachbarn aber fürchteten, ein festes Schloss könnte ihnen gefährlich werden, kam es 1306 zum Vertrag, dass "men enen Berychvrede van ver röden ane graven uppe suchte erden" bauen würde. Laut Visitation von 1558 gehörte zu Putzar Glien und Löwitz. Weil nach dem 30-jährigen Krieg das Land weitgehend entvölkert war, wurden 1716 die Pfarren Boldekow, Putzar und Wusseken zusammengelegt. Erst 1738 wurden daraus zwei Pfarrstellen. Putzar gehört seitdem zu Boldekow und Wusseken ist wieder selbstständige Pfarre. Es wird berichtet, dass am 17.7.1636 die Putzarer Kirche nebst Turm und viele andere Gebäude von einem Bauernknecht mittels einer Schlüsselbüchse eingeäschert wurde. Den Wiederaufbau bewirkte im wesentlichen der holländisch-hessische Generalleutnant Dettlof von Schwerin, der auch 1707 in der Gruft beigesetzt wurde. Beachtlich ist die reiche barocke Innenausstattung u.a. die Taufe, die der einheimische Tischler und Bildhauer Carl Friedrich Wöhrenhof schuf. Schon 1724 besaß die Kirche eine Orgel.

Rathebur

1271 stellt Bischof Hermann von Kammin in Rathebur eine Urkunde aus. 1307 wird Zabellus als Pfarrer genannt. 1657 wird das Dorf nieder-gebrannt. Auch die Kirche erlitt dabei erheblichen Scha-den. 1690 war sie vermutlich wiederhergestellt. Spätestens zu dieser Zeit verlor sie auch ihr mittelalterliches Aussehen, die Fenster wurden verändert und im Innern die Teilung in Chor und Gemeindeteil durch herausnehmen des Triumphbogens beseitigt. Nur das kleine hochsitzende Rund-bogenfenster mit dem eingemauerten Kopf, das denen am Chor der Kirche in Wusseken gleicht, erinnert noch an die frühe Entstehung der Kirche. Die Spitz-bogenportale West und Süd lassen erkennen, dass sie als gotische Kirche dann vollendet wurde. Der Turm, auf mittelalterlichem Feldsteinuntergeschoss glich dem von Iven und war 1637 datiert. Er mußte 1953 abgebrochen werden. Wertvolles Eigentum der Kirche sind die Glocke aus dem 15. Jhd., die Kuppa eines alten Taufsteines (3 Köpfe in Flachrelief), einige kleine Glasfenster und eine leider schlecht übermalte hölzerne Christusgestalt, vielleicht vom Triumphbogen.

Spantekow

1275 wird ein Eberhard von Spantekow genannt. Der Ort und das Kirchspiel sind vermutlich noch älter. Früher hatte Spantekow zwei Kirchen, eine im Dorf und eine auf der Burg; sie war mehr als nur eine Schlosskapelle, denn sonn-täglich musste dort der Pastor an Nachmittag predigen. Am 3. Oktober 1749 brannte sie nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Die Dorfkirche selbst war ein alter gotischer Feldsteinbau, doch davon ist nicht viel geblieben. Bei der Renovierung im Jahre 1857 wurden die Wände um 3 Fuß erhöht. 1860 bekam sie eine Orgel vom Orgelbaumeister Grüneberg-Stettin. 1913 wurde sie schließlich noch einmal von Grund auf renoviert, so dass noch heute deutlich Elemente des Jugendstils das Innere der Kirche bestimmen. Der barocke Fachwerkturm ist ein Werk des Anklamer Zimmergeister Joh. Jacob Schwarzenhauer, der aus Thüringen stammte und am 10. Mai 1694 in Anklam Bürger wurde.

Teterin

Von der St. Niclas-Kirchen ist in der Matrikel von 1582 die Rede. Zu ihr gehörten Teterin, Müggenburg, Neuenkirchen und Turow. Eine Urkunde von 1338 spricht davon, dass Müggenburg die Hauptburg des Landes Groswin war. Es hatte drei Rittersitze, einen davon hatten die Ihlenfeld, von denen es in der Matrikel heisst, dass auf ihren Grund und Boden in Teterin die "Heilig-Leichnam-Capell" stand, in der sie ihr Begräbnis hatten. Auch wird von einem Kloster im Ort gesprochen. Die Pfarrkirche selbst stammt ohne Zweifel aus früher Zeit, doch ist davon kaum noch etwas zu erkennen. Der Turm und auch die Orgel (von Sauer in Friedland 1858) ist ein Geschenk des Patron, des Gutsbesitzer Gleß-Müggenburg. Der Turm wurde 1863 erbaut.

Wusseken

Die Kirche in Wusseken, in der Matrikel das "große Gotteshaus" genannt, wird 1243 er-baut und Adalbert und Georg geweiht, also auch noch dem Slawenapostel geweiht, dem Otto von Bamberg in Stettin und Wollin schon Kirchen geweiht hatte. Später aller-dings führt sie nur noch den Namen der Maria wie es das alte Kirchensiegel tut. Der Ostteil mit seinem sauberen Quadermauerwerk stammt noch aus dieser Zeit.1636 mußte der Pfarrer Sasse nach Anklam fliehen, wo er am 5. September 1638 mit Frau und Kindern von der Pest dahingerafft wurde. Im Schwedisch-polnisch-branden-burgischen Krieg 1655-1660 erlitt Dorf und Kirche schweren schaden, 1659 fiel der Turm um. Von 1660 an war die Pfarre vakant und wurde von Putzar mitversorgt und schließlich mit Boldekow verbunden. Erst nach 1738 wird Wusseken wieder selbstständige Pfarre. Der Wiederaufbau der Kirche durch den Feldmarschall Kurt Christoph v. Schwerin kommt einem Neubau als barocke Saalkirche gleich (1742). Nach dem Brand im Jahre 1968 ist die Kirche leider noch nicht wieder restlos hergestellt.

Ziethen

946 wird das Land Ziethen zwar dem Bistum Havelberg zu-gesprochen, hat in der Tat aber immer dem Bistum Kammin unterstanden, dem auch 1140 der Zehnte des Marktfleckens als Dotierung zuge-sprochen wurde. Bereits 1237 existiert eine Kirche, die dem Patronat des Kloster Stolpe unterstellt wurde. 1257 wird eine Kirche der Maria geweiht und dieser Kirche zugleich als Tochterkirchen die Kirchen zu Rubkow und Bünzow zugeteilt. 1249 wird der Pleban Hermann genannt. Aus dieser Zeit stammt das Kirchengebäude, der Turm ist allerdings jünger, schon lange fehlt der Chor. Vorhanden ist noch der alte Taufstein aus der Mitte des 13. Jhds. Im Jahre 1587 goß Benedikt Hein die alte Glocke und 1849 baute Friedrich Nerlich aus Stralsund die Orgel.